Vereinsgeschichte

Gründungszeit Ende des 19. Jahrhunderts

Die Gründungsversammlung des Militärschiessvereins Ettenhausen wurde am 21. März 1897, einem Sonntag, um 13:30 Uhr im damaligen Schulhaus Ettenhausen abgehalten. Gründungs- und erster Vereinspräsident war Wilhelm Peter von Ettenhausen. Im Vorfeld dieser Gründungsversammlung war eine Umfrage unter den jungen, militärpflichtigen Männern von Ettenhausen, Oberkempten, Kempten und Erlosen durchgeführt worden, die aufzeigen sollte, ob sich ausreichend Interessierte zur Gründung eines autonomen Schützenvereines finden liessen. Dazu muss man sich in Erinnerung rufen, dass nach damaliger Schweizerischer Gesetzgebung die Mitgliedschaft in einem Schützenverein für alle schiesspflichtigen Angehörigen der Armee zwingend vorgeschrieben war. Die Umfrage hatte schliesslich ergeben, dass rund 24 Befürworter für eine Vereinsgründung vorhanden waren, von denen sich schliesslich 14 an der eigentlichen Gründungsversammlung im Schulhaus Erlosen einfanden. An der Versammlung wurde dann ein Vereinsvorstand gewählt und beauftragt, die nötigen logistischen und organisatorischen Grundlagen für den Verein zu schaffen und einen geeigneten Schiessplatz zu suchen. Sehr wahrscheinlich hatte man sich jedoch schon im Vorfeld erkundigt, wo unter Umständen ein solcher Schiessplatz anzulegen wäre.

Bereits Anfang April desselben Jahres fand eine zweite Vereinsversammlung im Restaurant "Traube" in Ettenhausen statt, in derjenigen Lokalität, die schliesslich für viele Jahre zum Vereinslokal werden sollte. Der MSV Ettenhausen blieb dabei immer, und das bis heute, der Region und damit in besonderem Masse auch den Schützen der Region treu, die mit ihrem privaten Gewerbe für Vereinsaufträge berücksichtigt wurden und werden. Der Gründungspräsident Wilhelm Peter zum Beispiel, war der Grossvater des Traubenwirtes von 1997, Fredi Peter. Ein Onkel des eben erwähnten Fredi Peter, und damit natürlich ein Sohn des Gründungspräsidenten, war denn auch von 1923-1955 Vereinspräsident (Eduard Peter). Dies soll nur eines der vielen Beispiele für die Volksverbundenheit des MSV Ettenhausen sein.

Im Mai 1897 wurde mit dem damaligen Besitzer des Restaurants "Bad Erlosen", Herr H. Häuser, ein Vertrag zur Erstellung eines Schiessplatzes auf seinem Grund und Boden abgeschlossen. Im damaligen Sitzungsprotokoll hiess es: "Er stellt auf seiner Wiese einen Platz zur Verfügung, errichtet einen Schopf und weist auch auf die Distanz von 400 Meter einen Platz an. Für die Übungen und Anlässe stellt er Decken, Tische und Bänke zur Verfügung." Ausserhalb des eigentlichen Protokolls wurde noch angefügt, dass Herr Häuser bei einem allfälligen Endschiessen oder grösseren Anlässen auch genügend "Tranksame" bereit zu stellen hätte.

Am 29. August 1897 konnte schliesslich das Eröffnungs-Schiessen, im Rahmen eines grösseren Schützenfestes, durchgeführt werden.

An dieser Stelle soll nochmals auf die grosse Kontinuität und Verbundenheit der Mitglieder mit und aus der Region hingewiesen werden. 1897 haben sich nämlich als Mitglied Nr. 8 Josef Auer, Grossvater des heutigen Schützenmeisters Oskar Auer, und als Mitglied Nr. 9 Rudolf Bertschinger, Grossvater mütterlicherseits des ehemaligen Vereinspräsidenten Hans Temperli, eingeschrieben.

Erste Vereinsjahre

Der neu aus der Taufe gehobene Verein war in der Folge eifrig tätig und nahm, im Rahmen der damaligen Möglichkeiten, auch an auswärtigen Schiessanlässen teil. In den Jahren 1910-1912 wurden schliesslich auch die ersten Jungschützen-Kurse durchgeführt. Diese wichtige und aufbauende Vereinstätigkeit wurde im Jahr 1914 durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges faktisch zum Stillstand gebracht. Ein erneuter Aufschwung konnte erst wieder in den Jahren 1920/1921 verzeichnet werden. 1921 wurde endlich auch eine erste Vereinsfahne mit einem grossen Dorf- und Schützenfest eingeweiht. Die 20er und 30er brachten ganz allgemein einen enormen Aufschwung des Vereins mit sich, da eine deutliche Zunahme an Vereinsmitgliedern zu verzeichnen war, wohl nicht zuletzt aus politischen Gründen. Über vierzig Aktiv-Mitglieder beteiligten sich an Übungen und Wettkämpfen. 1936 ging das Schiessplatzgelände in den Besitz der Gemeinde Wetzikon über. Umgehend erfolgte der Abbruch der vereinseigenen Anlage und eine neue 300-Meter Schiessanlage wurde für die Gemeinde Wetzikon erbaut. 1938, nach rund zweijähriger Bauzeit, wurde diese damals repräsentative Anlage mit einem mehrtägigen Schützenfest eingeweiht. Doch schon 1939 wurde die Vereinstätigkeit durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wiederum jäh unterbrochen. Die Mitglieder wurden allesamt in den Aktivdienst eingezogen, einige wenige, besonders talentierte, als "Präzisionsschützen der Armee", wie es damals hiess. Dem Verein wurden zudem alle Munitionslieferungen, die in der Schweiz bis heute durch das Militär getätigt werden, entzogen und die derart eingesparten Ressourcen der Armee zur Verfügung gestellt. Die Schiessanlage wurde in der Folge vornehmlich durch Truppen der Schweizerischen Armee benützt. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 ging die letzte kriegsbedingte "Pause" des Vereins endlich zu Ende.

Nachkriegsjahre

Scheinbar hatte die, bis heute traditionell, wehrhafte Bevölkerung einen gewaltigen Nachholbedarf was Vergnügen und herausfordernden Sport anbetraf und so kam es schliesslich, dass die Mitgliederzahlen im Verein nochmals zunahmen. Der MSV-Ettenhausen wurde im selben Jahr noch Mitglied im Bezirk-Schützenverein Hinwil und des Eidgenössischen Schützenvereins. In den Nachkriegsjahren wurden zudem unter der straffen Leitung von Louis Masciadri die Jungschützenkurse für die Gemeinde Wetzikon organisiert und durchgeführt. Die Teilnehmerzahlen an diesen Kursen lagen mit 80-100 Teilnehmern in heute astronomischen Gefilden. Der grosse Erfolg diesser Jungschützenkurse bewegte den MSV Ettenhausen dazu, spezielle Match-Trainings einzuführen, da dank des gesicherten Nachwuchses auf eine grosse Reserve an geeigneten Talenten zurückgegriffen werden konnte. Mit Erfolg wurden dann an grossen Anlässen Zwei- und Dreistellungspgrogramme absolviert. Bald wirkten sich diese Erfolge auch ganz allgemein auf das Leistungsniveau des Vereins aus. Als der MSV Ettenhausen im Jahre 1949 erstmals an einem Eidgenössischen Schützenfest (in Chur) teilnahm, waren die Resultate zwar eher noch bescheiden, doch einige Jahre später, am Eidgenössischen Schützenfest in Lausanne von 1954, waren diese jungen Mitglieder in ihrem Element und konnten ihre gewonnenen Erfahrungen in Glanzresultate umsetzen. Die jüngsten fünf Mitglieder (zwischen 21 und 25 Jahre alt) waren an diesem Anlass so erfolgreich, dass sie lange vor den Routiniers im Besitz der zwei- und dreifachen Kranzauszeichnung waren. Ein Teil der langjährigen Mitglieder wollte, vielleicht auch aus Neid, den Jungen trotz der hervorragenden Leistungen, eine Vergütung der persönlichen Auslagen verwehren, was dann allerdings an einer gesonderten Vereinsversammlung nicht gelang. Eine kleine Anekdote soll hier auch noch ihren Platz finden: Dem damaligen Kassier schien das Fest so gut zu gefallen, dass er, gut ausgestattet mit der Vereinskasse, dem Anlass noch drei Tage länger treu blieb und sich dem Genuss von Wein, Bier und Most hingab.

Die 50er und 60er Jahre

Die Leistungskurve des Vereins zeigte in den Folgejahren steil nach oben und so konnten grossartige Leistungssteigerungen an den kantonalen Anlässen in Uster und Winterthur verzeichnet werden. Ganz besonders hervorgehoben werden soll das Eidgenössische Schützenfest von 1963 in Zürich. Die erfolgreiche Präsidenten-Laufbahn von Max Schoch begann scheinbar Früchte zu tragen, die auch an unzähligen weiteren Anlässen reich geerntet wurden. 1965 konnte ein neues Vereinsbanner angeschafft werden, das mit einem Fahnenweih-Schiessen und einer entsprechenden Feier eingeweiht wurde. Besonders ausgiebig beteiligten sich an dieser Feier die Namensvetter aus dem Kanton Thurgau, die Feldschützen Ettenhausen. Am Eidgenössischen Schützenfest in Thun von 1969 konnte der Verein insgesamt den 21. Rang, von 720 Vereinen, erreichen, ein Erfolg, der angesichts der mühsamen Anreise umso erstaunlicher erschien. Viele Mitglieder hatten in ihren jeweiligen Leistungsklassen Spitzenplätze errungen.

Zeit der grossen Erfolge

Nach diesem Anlass wurde wieder vermehrt das Gruppen-Schiessen gepflegt. Anfang der 70er Jahre bildete sich eine starke Gruppe von Sturmgewehr-Schützen, der es unter der Leitung von Hans Temperli am 5. September 1971 gelang, im Endfinal der Gruppenmeisterschaft den ehrenvollen zweiten Rang zu belegen. Dieser Tag bleibt bis heute einer der erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte. Dem MSV Ettenhausen wurde aufgrund der im Rahmen dieses Erfolges erreichten Leistungen die höchste Ehrung zuteil, die ein Schützenverein in der Schweiz erreichen kann: Er wurde in die Ehrenliste des Schweizerischen Schützenvereins eingetragen. Am Abend der Rückkehr wurde den erfolgreichen Schützen ein grosser Empfang durch die Gemeindebehörden und Einwohner von Wetzikon bereitet.

1972 war es schliesslich soweit, das 75 jährige Bestehen des Vereins zu feiern, was in einem Grossanlass mit der Teilnahme von über 1'000 Schützen gipfelte. Das Jahr 1972 brachte auch weitere Erfolge, denn Werner Mettler wurde am Berner Kantonal-Schützenfest in der Sturmgewehr-Konkurrenz Schützenkönig. Auch die Gruppenmeisterschaft der Sturmgewehre wurde wiederum mit Erfolg absolviert, wobei diesmal am Endfinal in Olten der dritte Rang erreicht wurde. Werner Mettler übernahm während dieser Zeit auch die Leitung des Jungschützenkurses für die Gemeinde Wetzikon.

1973 wurde zusammen mit diversen Nachbar-Vereinen das Zürcher-Kantonal-Schützenfest organisiert, was dank speditiver und organisierter Zusammenarbeit recht flott vonstatten ging. Auch dieser Anlass wurde für den MSV Ettenhausen zu einem grossen Erfolg. In den folgenden Jahren konnten immer wieder gute Leistungen in der Gruppenmeisterschaft erreicht werden, immer unter der Leitung von Hans Temperli (1974 achter Rang der Gruppe im Endfinal). Als 1980 der MSV Ettenhausen wiederum im Final der Gruppenmeisterschaft in Olten teilnehmen konnte, wurde auch die Regional- und Fach-Presse auf den Verein aufmerksam und dieser wurde in der Folge zum erfolgreichsten Land-Verein des Kantons Zürich ernannt.

Beim Besuch des Eidgenössischen Schützenfestes im Jahre 1985 in Chur wurde im Sektions-Wettkampf die goldene Auszeichnung erreicht.

Ein Neuaufbau

1989 geschah das, was wohl niemand erwartet hatte: Das Schützenhaus des Vereins wurde durch Brandstiftung vollständig zerstört. Dank der grosszügigen Unterstützung von Anwohnern, der Gemeinde, befreundeten Schützenvereinen und Behörden konnte der Schiessbetrieb mehr oder weniger aufrecht erhalten werden. Unglaubliche Bemühungen aller Beteiligten waren schliesslich notwendig, um den Wiederaufbau der Anlage in Angriff zu nehmen. Dank ausserordentlicher Frondienst-Leistungen der Vereinsmitglieder konnte 1992 das neue Schützenhaus eingeweiht werden. Scheinbar hatte die provisorische Schiesstätigkeit der Leistungsbereitschaft der Vereinsmitglieder nicht geschadet und so konnte der MSV Ettenhausen am Zürcher-Kantonal-Schützenfest den ersten Rang in der zweiten Kategorie belegen. Das Standeröffnungs-Schiessen wurde zusammen mit der Schützengesellschaft Wetzikon im Herbst 1993 durchgeführt, ein ausserordentlich erfolgreicher Anlass mit einer Teilnehmerzahl von weit über 1'800 Schützen.

Das 21. Jahrhundert

Der Übergang zum 21. Jahrhundert ging auch am MSV Ettenhausen nicht spurlos vorbei. Viele der altgedienten Mitglieder galt es für die ewige Ruhe zu verabschieden und die gewaltige Regel- und Gesetzesflut erschwerte die Vereinsarbeit immer mehr. Verschärfungen des Waffengesetzes erfolgen nun fast schon im Jahrestakt und entziehen dem Verein die Grundlage seines Schaffens, da den legalen Waffenbesitzern mehr und mehr ihr Sportgerät entzogen wird. Auch potentielle Mitglieder werden von den unglaublich hohen Gesetzeshürden abgeschreckt. Die finanziellen Belastungen bleiben überdies konstant oder nehmen sogar zu. Auch die Armee musste sich gezwungenermassen immer mehr aus dem Schiesswesen ausser Dienst zurückziehen, was für den Verein weitere finanzielle Einbussen bedeutete. Doch trotz aller Widrigkeiten hat es der MSV Ettenhausen geschafft, seine Mitgliederzahl mehr oder minder konstant zu halten und den Jugendlichen der Region in Form der Jungschützenkurse eine verantwortungsvolle und nützliche Freizeitbeschäftigung zu bieten und sie damit in einen faszinierenden Leistungssport einzuführen. Die vergangenen Monate haben auch gezeigt, dass die Schützengemeinschaft nun endlich gemeinsam gegen weitere unnütze Gesetzesverschärfungen vorgehen will und dabei auch auf breite Unterstützung in der Bevölkerung zählen kann. Bis heute engagiert sich der MSV Ettenhausen in höchstem Masse für das Schützenwesen allgemein, was sich auch in den erneuten Frondienst-Stunden beim Aufbau des neuen Kugelfanges im Frühjahr 2009 zeigte. Die neue Trefferzeigeanlage, die nun, im Sommer 2009, endlich ihren lange erwarteten Platz im Schiessstand Erlosen gefunden hat, wird ebenfalls gemeinschaftlich finanziell getragen von der Schützengesellschaft Wetzikon, dem MSV Ettenhausen und der Gemeinde Wetzikon.

Der MSV Ettenhausen blickt also optimistisch in die Zukunft und ist bereit, auch ein Weiteres Jahrhundert in Angriff zu nehmen.